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Der Turm ist zentrales Element des GIL-Gebäudekomplexes. Er ist der ästhetische Clou der Architekten Mansutti und Miozzo. Von verschiedenen Punkten Bozens aus gut einsehbar hatte er keinerlei praktische Funktion, sondern war immer ein rein ästhetisches Zeichen. Im Inneren des Turms war nie etwas vorgesehen, kein Raum, kein Büro. Nur das Stiegenhaus windet sich über fünf Stockwerke zum Dach hinauf. Die Analogie zu einem Kirchturm, in dem sich ja meist auch nur der Aufgang zu den Glocken befindet, ist unübersehbar und sicherlich auch von den politischen Machthabern gewollt. Im alten Bozen ragt der Turm des Baus in die Höhe, am Übergang zum neuen Bozen sollte selbstbewusst der über 20 Meter hohe Turm des GIL die Passanten empfangen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zahlreiche Kriegsflüchtlinge im ex-GIL ein vorübergehendes Zuhause. Da jeder Quadratmeter kostbar war, richteten sie sich sogar Wohnlager im Stiegenhaus des Turms ein. Nach den schweren Überschwemmungen in Polesine 1951 und 1952, fanden neuerdings Flüchtlingsfamilien im EURAC Turm eine illegale, aber doch geduldete Bleibe. Auf den kleinen Flächen in den Zwischenstockwerken richteten sie sich winzige Küchen und Bettenlager ein. Sperrholzplatten trennten ihren Wohnraum vom Stiegenhaus ab. Es gab weder Wasserleitungen, noch Toiletten noch Strom. Die Turmterrassen waren Waschküchen und Rumpelkammern. Eine Familie lebte gar 20 Jahre im Turm.
Im Parterre des Turms gab und gibt es eine richtige Wohnung. Ursprünglich war sie für den GIL-Hausmeisters vorgesehen, später lebten  Flüchtlingsfamilien darin. In Kürze werden diese Wohnräume zu Büros für die EURAC umfunktioniert werden.
In den 1980er Jahren, nach Auflösung der GI ging der Gebäudekomplex an die Autonomie Provinz Bozen über. Von da an lebten Einwandererfamilien aus Nordafrika auf dem Areal.
 
1995 wurde ein internationaler Architekturwettbewerb für de Nutzung des Gebäudeensembles aufgeschrieben. Es sollte neuer Sitz des Südtiroler Forschungsinstituts EURAC werden und ein Beispiel für den fruchtbaren Umgang mit Geschichte in einem historisch brisanten Gelände darstellen. (Link zu Geschichte des Gebäudes). Der Grazer Architekt Klaus Kada hat den Wettbewerb mit eine Projekt gewonnen, das alte und neue Bausubstanz auf wunderbare Weise aneinander annähert. Die ursprüngliche Fassadenfarbe des Altbaus, das Pompejanische Rot, wurde rekonstruiert. Die Farbkonzepte des luftigen Neubaus wurden vom Südtiroler Künstler Mandred Aloys Mayr entwickelt.

Bei den Umbauarbeiten des Turms hatte Kada, wie auch beim restlichen Altbau, die strengen Auflagen des Denkmalamtes zu respektieren: sämtliche spärliche Fenser mussten in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben, ebenso das Stiegenhaus. Es sollte noch weitere 10 Jahre dauern, bis der EURAC tower der Öffentlichkeit zugänglich wurde, als Ausstellungsfläche der Initiavie Wissen schaf(f)t Kunst.

Zum Nachlesen:
EURAC
Ein Haus für die Europäische Akademie Bozen
von Stephanie Risse-Lobis
erschienen im Folio Verlag

 




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